Unsere Reisevorbereitungen sind auf gutem Wege, seit etwa neun Monaten beschäftigen wir uns nun mit unserem Abenteuer 2020. Die bisher grösste Hürde und vor allem auch Geduldsprobe war das Ausfüllen des Visumantrages, um sechs Monate in den USA bleiben zu können. Bis anhin dachten wir beide, dass wir am Computer recht lange gute Laune spielen und auch mit einem gesunden Pragmatismus solche Aufgaben lösen. Doch wir sind beide einer unserer dunklen Seiten begegnet. Ist wohl so was wie ein erstes Aussieben von Antragstellern. Irgendwie haben wir es jedoch geschafft und so fahren wir am Freitag dem dreizehnten nach Bern zum Termin im Konsulat. Die Aarestadt empfängt uns mit fetten Schneeflocken, das Verkehrschaos betrifft uns jedoch nicht da wir mit ÖV reisen.

Gut schweizerisch sind wir zu früh und gut unschweizerisch lesen wir erst beim Cappuccino im Cafe die Hinweise für Konsulatbesucher durch. So bleiben halt unsere Rucksäcke in der Obhut des Cafepersonals da sie zu voluminös sind.

Noch schnell über die Strasse zum bewachten und eingezaunten Gebäude mit wehender amerikanischer Flagge und schwupps sucht Thomas Bodenkontakt auf ganzer Beinlänge. Zum Glück ist nur das Mitbringen von Flüssigkeiten in Behältern verboten und nicht an Hosen.

Amerikanische Botschaft Bern

Wir möchten doch gar noch nicht abfliegen! Unsere Permits sind erst auf den 26. April 2020 datiert! Sicherheitskontrollen wie am Flughafen… Doch plötzlich stehen wir in einem grösseren Raum und zu unserem Erstaunen halten sich dort nochmals etwa 30 Menschen auf. Wollen die alle auch ein Visum? Das wird dann wohl ein längeres Stelldichan. Doch es geht erstaunlich schnell, am ersten Schalter wird Foto eingescannt und gesmalltalked, am zweiten Schalter Fingerabdrücke genommen und am dritten Schalter findet dann das entscheidende Audit statt. Es hat wohl keine fünf Minuten gedauert bis ein freundliches ‚your Visa is approved‘ dem Angestellten durch das Sicherheitsglas entwischt. All unsere Bankbelege, Steuererklärungen, Strafauszüge, Arbeitsverträge und was auch immer hat nicht interessiert. Zwei Fragen haben gereicht: er wollte unsere Pläne für den Aufenthalt wissen und unsere Berufe. Ein Schmunzeln huschte über sein Gesicht als wir unser Vorhaben erzählten und wir kamen in den Genuss ein paar Gratistipps für die Einreise.

Wir haben uns diesen Termin so total anders vorgestellt: wir werden in ein luxuriöses Sitzungszimmer geführt, dort sitzt ein übergewichtiger Botschafter welcher uns alle möglichen und vor allem unmöglichen Fragen stellt. Fantasie lässt grüssen!

Dabei wird uns so richtig bewusst, wie unendlich gross Amerika ist. Wir werden uns noch an diese Dimensionen gewöhnen müssen und bestimmt werden wir noch oft sagen: das haben wir uns total anders vorgestellt. Einen kurzen Moment huscht es durch Sonjas Gedanken: wir sind verrückt! Aber das ist ja nicht ganz neu. Und Dank diesem Quäntchen Verrücktheit können wir auch Berge ver-rücken, so hoffen und glauben wir.

Drei Tage später erhalten wir per Post unsere Pässe mit dem Visum zurück!


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